Eine Münze überquert Zivilisationen
Im Jahr 621 n. Chr. gab der Tang-Hof eine neue Bronzemünze heraus, die mit vier Zeichen beschriftet war: 開元通寶, was in etwa „Währung der Kaiyuan-Ära“ bedeutet. In den folgenden drei Jahrhunderten wurde diese Münze zum am weitesten verbreiteten Objekt in der ostasiatischen Geschichte – gefunden in Depots von den sogdischen Oasen Zentralasiens bis zu den Reisfeldern Javas.
Linguistisch bemerkenswert ist, dass jede Zivilisation, die diese Münze benutzte, dieselben vier Zeichen völlig unterschiedlich las.
- Chinesisch (Mandarin): kāiyuán tōngbǎo — die moderne Standardlesung; der Tang-Hof selbst sprach eher etwas wie khoj ngjwon thuwng pawX (mittelchinesische Notation nach Baxter, in der ein auslautendes -X den steigenden Ton markiert)
- Japanisch: kaigen tsūhō — eine sino-japanische Lesung, überwiegend Kan-on; das tsū von 通 ist allerdings nicht das Kan-on tō (Wörterbücher führen es als Go-on oder Kan'yō-on)
- Koreanisch: 개원통보
- Vietnamesisch: khai nguyên thông bảo — bewahrt Merkmale der chinesischen Phonologie der späten Tang-Zeit (8.–9. Jh.)
Am deutlichsten hörbar ist der Unterschied beim zweiten Zeichen 元: auf Mandarin yuán, auf Japanisch gen, auf Vietnamesisch nguyên. Die vietnamesische Form ist der ursprünglichen Tang-Aussprache tatsächlich näher, weil sino-vietnamesische Lesungen früher entlehnt und eingefroren wurden, während sich das Mandarin weiterentwickelte.