Wenn drei Laute zu einem werden — oder dreien bleiben
Im Mandarin kollabierte das alte mittelchinesische (中古漢語) Drei-Wege-System der Plosive schon vor langer Zeit: stimmhafte Anlaute wie b- verschmolzen mit den stimmlosen Kategorien. Doch Shanghainese — der Prestigedialekt des Wu (吳語) — vollendete diese Verschmelzung nie. Er bewahrt einen dreigliedrigen phonemischen Kontrast, den das Mandarin vor Jahrhunderten verlor:
- Stimmlos nicht-aspiriert: 八 paq
- Stimmhaft: 拔 baq (herausziehen)
- Stimmlos aspiriert: 拍 phaq (klatschen)
Wugniu (吳語拼音), von Wu-Enthusiasten in den 2000er-Jahren entwickelt, hält alle drei Serien allein mit Standard-ASCII auseinander: b- / d- / g- für die stimmhaften Anlaute, p- / t- / k- für die stimmlos nicht-aspirierten und ph- / th- / kh- für die stimmlos aspirierten. Eine Schreibung pro Serie, keine diakritischen Zeichen.
Warum ist das für die historische Linguistik bedeutsam? Das Mittelchinesische hatte genau dieses Drei-Wege-System — es wird teils rekonstruiert, weil Sprachen wie Shanghainese es bewahren. Fast keine andere sinitische Varietät hat alle drei Plosivserien erhalten. Der einzige weitere Rückzugsraum ist das Alt-Xiang — die konservativen Lou-Shao-Dialekte um Shuangfeng, die die stimmhafte Serie dort bewahren, wo das übrige Xiang sie entstimmlicht hat. Wu und Alt-Xiang sind die letzten beiden Zeugen.