🔤 Die Anlautregel: Warum 六 in Seoul 육, in Pjöngjang aber 륙 ist

Südkoreas Anlautregel (두음법칙) kodifiziert den Wegfall von /l-/ und /n-/ im Anlaut vor bestimmten Vokalen — Nordkorea lehnte sie ab, was eine Sprache in zwei Schreibsysteme spaltete.

Schlagwörter: korean phonology north-south sinosphere

Ein Zeichen, zwei Lesungen

Gibt man 六 in HanMap ein, erscheinen südkoreanisches 육 (yuk) und nordkoreanisches 륙 (ryuk) nebeneinander. Das ist keine natürliche Dialektdrift, sondern eine bewusste Entscheidung in der Amtsorthographie.

Die Anlautregel

Südkoreas 두음법칙 (頭音法則) verändert anlautendes /l/ und /n/ in sinokoreanischen Silben auf zweierlei Weise. Vor /i/ oder /y/ fällt der Konsonant ganz weg: 龍 wird zu yong, nicht 룡 ryong. Vor jedem anderen Vokal wird anlautendes /l/ dagegen zu /n/: 来 lautet am Wortanfang nae (내일, morgen), wortintern jedoch 래 rae (미래, Zukunft). Die Regel wurde 1933 kodifiziert; der Standard von 1988 gilt bis heute.

Warum Nordkorea ablehnte

Nach der Teilung 1945 verzichtete Nordkorea bereits in der Neuen koreanischen Rechtschreibung von 1948 auf die Regel; die 1954 von der Akademie der Wissenschaften herausgegebene Koreanische Rechtschreibung bestaetigte die Ablehnung als kuenstliche Verzerrung der zugrunde liegenden Form. Nordkorea behaelt /l-/ und /n-/ im Anlaut bei: 룡, 래, 립 — naeher am mittelhinesischen Original.

Die politische Dimension

Das gemeinsame Woerterbuch 《겨레말 큰사전》 wird noch erarbeitet — der Fortschritt ist schleppend.

🔢 六 auf der Karte zeigen📍 Koreanisch auf der Karte — Koreanisch

Quellen

Mehr dazu

Siehe auch: Lesestoff · Word Map — 30 Kernwörter · Han Map — Lesungen der Han-Zeichen

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